Schlachtfeld WM

Fußballweltmeisterschaft: Tausende Arbeitsmigranten auf Baustellen in Katar umgekommen. Linke-Politiker fordert »Entmachtung« der FIFA

  • von Oliver Rast

Es ist ein Massensterben für eine Fußballweltmeisterschaft. Konkret: 6.700 Arbeitsmigranten sind seit 2011 auf den WM-Baustellen in Katar zu Tode gekommen. Im Tagesschnitt zwölf – mindestens. Das berichtete der britische Guardian am Dienstag. Das Golfemirat hatte 2010 durch das Exekutivkomitee des Weltfußballverbands FIFA den Zuschlag für das Turnier 2022 erhalten.

Den Guardian-Recherchen zufolge, die sich auf Regierungsquellen stützen, kommen die FIFA-Opfer vor allem aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka. Indes: Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Demnach fehlen Informationen zu Arbeitern von den Philippinen und aus Kenia – Länder, aus denen das Emirat gleichfalls den »Nachschub« rekrutiert. »Ein sehr großer Anteil der Arbeitsmigranten, die bislang gestorben sind, war nur im Land, weil Katar die Vergabe der WM für sich entschied«, zitiert das Blatt Nicholas McGeehan, Experte für Arbeitsrecht am Golf. Über zwei Millionen von ihnen, bestätigte Amnesty International am Mittwoch auf jW-Nachfrage, hetzen im Akkord zu Billiglöhnen, um in der absoluten Monarchie ein gigantisches WM-Bauprogramm aus dem sandigen Boden zu stampfen. Neben sieben Stadien einen Airport samt U-Bahnnetz.

Vertreter des Fußballbusiness scheint das nicht weiter zu stören. Der Boss vom FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, schwadronierte am Sonnabend im ZDF-»Sportstudio«: »Ich glaube, man muss ein Stück weit, was Menschen- und Arbeitsrechte betrifft, die notwendige Geduld aufbringen.« Zynismus, der selbst den eigenen Anhang in Rage bringt – die Ultragruppe »Red Fanatic München« etwa. »Widerlich, abstoßend«, so seien Auftritt und Außendarstellung der Führungsriege des Vereins, erklärte sie jüngst.

Auch bundesweite Faninitiativen positionieren sich. Gloria Holborn, Sprecherin von »Pro Fans«, sagte am Mittwoch zu jW, Verbände und Vereine würden sich beinahe grenzenlos empören, wenn beispielsweise die Geschäftspraxis des Mäzens der TSG Hoffenheim, Dietmar Hopp, in den Arenen kritisiert werde. »Wenn aber in Katar Tausende Arbeitsmigranten mit Blut für das WM-Vergnügen zahlen«, so Holborn, »verfliegt die Empörung rasch.«

Das katarische WM-Organisationskomitee beschwichtigte und behauptete gegenüber dem Guardian, die Zahl der Todesfälle liege im Rahmen der üblichen Bevölkerungsstatistik. Auch die FIFA sagte der Zeitung auf Anfrage, die Häufigkeit der Todesfälle im Zusammenhang mit den Bauprojekten für die WM sei im Vergleich mit anderen Großbaustellen weltweit niedrig.

Der Schutz von Menschen- und Arbeitsrechten müsse absoluten Vorrang vor den Profitinteressen der FIFA haben, betonte hingegen Michel Brandt, für die Bundestagsfraktion von Die Linke Obmann im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, am Mittwoch im jW-Gespräch. Der Deutsche Fußballbund (DFB) müsse darauf hinwirken, dass »unter solchen Bedingungen keine WM stattfinden darf«. Des weiteren sei das Schweigen der Profiklubs, die zu Spielen und Trainingslagern nach Katar fliegen, unerträglich. Britta Dassler sieht gleichfalls Verbände und Vereine in der Pflicht. »Sie sind es«, sagte die sportpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion auf jW-Anfrage, »die in dem Emirat neben oder auf dem Platz auflaufen.« Serienmeister Bayern München könne viel mehr tun, »als lediglich das Logo der Qatar Airways auf dem Ärmel zu tragen«.

Linke-Politiker Brandt reicht das nicht: Die FIFA solle strafrechtlich für die Toten zur Rechenschaft gezogen werden. Nicht nur das: »Der Weltverband muss entmachtet werden.«

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